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Im Jahre 742 gründete Bonifatius das Bistum Erfurt, das jedoch kurz darauf dem Bistum Mainz eingegliedert wurde. Somit gehörte die Bevölkerung der Stadt Erfurt über viele Jahrhunderte zum Bistum Mainz. Im 14. Jahrhundert hatte die Stadt über 20 Pfarreien sowie drei Kollegiatstifte und über zehn Klöster. Später besaß Erfurt 80 Kirchen und 36 Klöster. Viele davon sind heute noch gut erhalten. Anfang des 16. Jahrhundert war Martin Luther Student an der Universität Erfurt.

Die Stadt wandte sich später mehrheitlich der Reformation zu. Daher gab es innerhalb der Stadt starke Spannungen zwischen den Konfessionen. 1530 konnte im Hammelburger Vertrag die Gleichberechtigung der Konfessionen erreicht werden. Danach behielten die Protestanten acht Kirchen. Sie wurden von einem Senior geleitet. 1563 wurde ein Evangelisches Ministerium eingerichtet, dem als oberste Kirchenbehörde die Verwaltung der Protestanten oblag.

Nach dem Übergang der Stadt Erfurt an Preußen 1815 wurden in der Folgezeit auch die kirchlichen Strukturen neu geordnet. Die Erfurter Protestanten wurden Glieder der mit der Bildung der preußischen Provinz Sachsen errichteten Provinzialkirche Sachsen. 1817 wurden in ganz Preußen lutherische und reformierte Gemeinden zu einer einheitlichen Landeskirche (Unierte Kirche) vereinigt. Danach gehörten alle Kirchengemeinden Erfurts zur Evangelischen Kirche in Preußen, beziehungsweise dessen Provinzialkirche Sachsen, deren Oberhaupt der jeweilige König von Preußen als summus episcopus war. Nach Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregiments 1918 war die Provinzialkirche Sachsens Gründungsmitglied der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. 1947 wurde sie eine selbständige Landeskirche (Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen) mit einem Bischof an der Spitze. Die protestantischen Kirchengemeinden Erfurts gehören - sofern es sich nicht um Freikirchen handelt - zum Kirchenkreis Erfurt innerhalb der Propstei Erfurt-Nordhausen, deren Sitz sich in Erfurt befindet. Der Kirchenkreis hatte im Jahr 2003 etwa 28.000 Mitglieder.[1]

Als Reaktion auf die 1817 erfolgte Vereinigung der lutherischen und der reformierten Kirche in Preußen entstand die Evangelisch-Lutherische (altlutherische) Kirche Preußens. Die Altlutheraner bestanden auf ihre Religionsfreiheit, indem sie uneingeschränkt lutherische Gottesdienste, Verfassung und Lehre forderten. Nach harter Verfolgungszeit seitens des Staates konnte sie sich 1841 unter König Friedrich Wilhelm IV konstituieren und wurde anerkannt. Mitten in der Verfolgungszeit entstand 1836 mit dem Austritt von 21 Familien aus der Landeskirche die Evangelisch-Lutherische Christuskirchengemeinde, die sich dem Oberkirchenkollegium der evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche in Breslau unterstellte. Geweiht wurde ihre Kirche in der Tettaustraße aber erst 1913. Diese Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchenbezirk Sachsen-Thüringen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.


Die römisch-katholischen Pfarrgemeinden der Stadt gehörten ab 1821 zum Bistum Paderborn. Nach dem Preußischen Konkordat von 1929 erfolgte eine Neuordnung der Gebiete der römisch-katholischen Bistümer. Die Gemeinden in Erfurt kamen zum Bistum Fulda. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es für den Bischof immer schwerer, seine Amtsgeschäfte im Ostteil seines Bistums wahrzunehmen. Ebenso erging es dem Bischof von Würzburg, dem die südlichen Pfarrgemeinden Thüringens zugeordnet waren. 1946 wurde daher in Erfurt für die DDR-Gebiete der Bistümer Fulda und Würzburg ein Generalvikar eingesetzt, der 1953 zum Weihbischof und 1967 zum Bischöflichen Kommissar ernannt wurde. Durch die Neuordnung der römisch-katholischen Kirche in der DDR wurden die Gebiete ausgegliedert und per Dekret des Heiligen Stuhls am 20. Juli 1973 dem Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zugeordnet und damit formell von ihren bisherigen Bistümern abgetrennt. Leiter dieses Bischöflichen Amtes wurde ein Apostolischer Administrator, der Titularbischof war. Am 14. Juni 1994 wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum Erfurt erhoben und der Kirchenprovinz Paderborn zugeordnet. Die Rechtswirksamkeit erfolgte zum 7. Juli 1994. Die Pfarrgemeinde in Erfurt gehört somit heute zum Dekanat Erfurt innerhalb des Bistums Erfurt. Im Jahr 2003 gab es etwa 14.000 römische Katholiken in Erfurt.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es auch noch eine kleine Gemeinde der Alt-Katholischen Kirche, die in der Michaeliskirche zu Gast ist, sowie Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter eine Evangelisch-methodistische Kirche (Ägidienkirche), eine Freie evangelische Gemeinde, eine Adventgemeinde, die Jesus Freaks, eine Missionsgemeinde und das Christus-Zentrum. Ferner sind die Neuapostolische Kirche, die Christengemeinschaft, die Zeugen Jehovas, die Apostolische Gemeinschaft sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Erfurt vertreten.

Erfurt ist darüber hinaus auch der Sitz der jüdischen Gemeinde von Thüringen, die etwa 650 Mitglieder hat. Von diesen leben 350 in Erfurt selbst. In der Stadt findet sich die einzige in der DDR gebaute Synagoge, die sogenannte Neue Synagoge, die als Gebets- und Gemeinderaum genutzt wird, sowie eine Alte und eine Kleine Synagoge, die heute Museum und Begegnungsstätte sind. Als Zeugnis der früheren Gemeinde wurde im Frühjahr 2007 das alte rituelle Bad, die Mikwe nahe der um 1100 gebauten Synagoge bei Erdarbeiten unweit der Krämerbrücke mit einem weitgehend erhaltenen Tonnengewölbe zufällig wiederentdeckt. Die Mikwe ist seit 1250 bezeugt.[2]

Dieser Artikel enthält historische Kirchengebäude in Erfurt (Thüringen). Nicht enthalten sind hierbei die Dorfkirchen der 37 Ortsteile sowie Gemeindezentren und Gemeindehäuser.

Kirchen in der Altstadt und den Stadtteilen Bearbeiten

Kirche Standort Bauzeit Größe
(Länge x Breite [m])
Baustil Konfession
Ägidienkirche Wenigemarkt 1324 20 x 15 gotisch evangelisch-methodistisch
Allerheiligenkirche Marktstraße/Allerheiligenstraße 1371 30 x 20 gotisch römisch-katholisch
Andreaskirche Andreasstraße/Webergasse um 1350 30 x 20 gotisch evangelisch
Apostolische Kapelle Johannesmauer 1860 30 x 12 klassizistisch apostolisch
Augustinerkirche Augustinerstraße 1290 35 x 13 gotisch evangelisch
Barfüßerkirche Barfüßerstraße bis 1350 80 x 30 gotisch Ruine (seit 1944)
Bartholomäuskirche Anger 1412 gotisch nur der Turm erhalten (Abriss der Kirche 1668)
Brunnenkirche Fischersand/Hermannsplatz 1253 30 x 10 gotisch römisch-katholisch
Christuskirche Brühlervorstadt, Tettaustraße 1912/1913 30 x 15 neoklassizistisch evangelisch-lutherisch
Dom Domplatz 1182 100 x 45 gotisch römisch-katholisch
Georgskirche Michaelisstraße/Georgsgasse 1380 gotisch nur der Turm erhalten (Abriss der Kirche 1632)
Gustav-Adolf-Kirche Melchendorf, Singerstraße 1900 neuromanisch evangelisch
Hospitalkirche Hospitalplatz 1389 35 x 20 gotisch nicht mehr kirchlich genutzt
Johanneskirche Johannesstraße/Franckestraße 1486 gotisch nur der Turm erhalten (Abriss der Kirche 1819)
Josefkirche Ilversgehofen, Bogenstraße 1893 25 x 12 neugotisch römisch-katholisch
Kartäuserkirche (Salvatorkirche) Karthäuserstraße 1375/1728 35 x 10 gotisch/barock nur die barocke ehemalige Kirche erhalten
Kaufmannskirche (Gregorkirche) Anger 1368 40 x 25 gotisch evangelisch
Lorenzkirche Anger/Schlösserstraße 1300 30 x 20 gotisch römisch-katholisch
Lukaskirche Daberstedt, Stadtweg 1912 evangelisch
Lutherkirche Johannesvorstadt, Magdeburger Allee/Eislebener Straße 1927 40 x 30 Art Déco evangelisch
Magdalenenkapelle Kleine Arche/Rumpelgasse 1277 20 x 7 gotisch keine Nutzung als Kirche
Martinikirche Brühl vor 1265/Wiederaufbau 1483 35 x 15 gotisch römisch-katholisch
Martinikirche (ehem. Dorfkirche Ilversgehofens) Ilversgehofen, Tiergartenstraße/Hans-Salier-Straße 1821 (Turm vom Vorgängerbau übernommen) 30 x 12 klassizistisch evangelisch
Michaeliskirche Michaelisstraße/Allerheiligenstraße 1278 20 x 15 gotisch evangelisch
Neuwerkskirche (Cruciskirche) Karl-Marx-Platz/Neuwerkstraße 1473/1731 50 x 25 gotisch/barock römisch-katholisch
Nikolaikirche Augustinerstraße/Comthurgasse 1360 gotisch nur der Turm erhalten (Abriss der Kirche Ende 18. Jh.)
Nikolaikirche (Dorfkirche Melchendorf) Schulzenweg 1899 neubarock römisch-katholisch
Paulskirche Paulstraße/Kleine Arche 1465 gotisch nur der Turm erhalten (Abriss der Kirche 1759)
Peterskirche Zitadelle Petersberg 1147 75 x 35 romanisch keine Nutzung als Kirche
Predigerkirche Predigerstraße 1238 75 x 20 gotisch evangelisch
Reglerkirche Bahnhofstraße 1130/1291 50 x 20 romanisch-gotisch evangelisch
Schottenkirche Schottenstraße 1140/1711 55 x 20 gotisch/barock römisch-katholisch
Severikirche Domplatz 1270 60 x 40 gotisch römisch-katholisch
Thomaskirche Löbervorstadt, Schillerstraße 1902 50 x 25 neugotisch evangelisch
Ursulinenkirche Anger 1235 30 x 15 gotisch römisch-katholisch
Wigbertikirche Angerbrunnen 1475 35 x 15 gotisch römisch-katholisch


Nicht mehr vorhandene Kirchen Bearbeiten

Kirche Standort Bauzeit Baustil Zeit der Zerstörung Grund
Albanikirche Bahnhofstraße/Mühlgasse 12. Jh. 1647 Anordnung der Schwedischen Besatzer in Erfurt
Benediktikirche Benediktsplatz/Krämerbrücke 1325 gotisch 1810/1895 Verkauf der ungenutzten Kirche zur Baustoffgewinnung
Gotthardtkirche Gotthardtstraße/Hütergasse 1182 1740/1858 Nach der Reformation ungenutzt und zur Ruine verkommen, 1740 Abbruch der Ruine, 1858 Abbruch des Turms wegen Baufälligkeit.
Gangolfikirche Bahnhofstraße/Schmidtstedter Straße 1350 gotisch 1875 Verkauf und Abriss des inzwischen als Schulgebäude genutzten Bauwerks
Innere Martinikirche [in Unterscheidung zur Martinikirche im Brühl außerhalb der ältesten Stadtmauer] Schlösserstraße 1415 gotisch 1736 Brand, anschließend Abbruch der Ruine
Matthiaskirche Johannesstraße/Futterstraße 1181 1818 1806 von französischen Besatzern als Pferdestall genutzt, 1811 versteigert, 1818 abgerissen
Moritzkirche Moritzgasse 26/27 1193 1633/1814 Nach 1604 ungenutzt, 1633 Abriss durch schwedische Besatzer, 1814 Abriss des Turms
Servatiuskirche Pergamentergasse/Turniergasse 15. Jh. 1701/1716 Einsturz 1701, Abriss der Ruine 1716
Alte Thomaskirche Löberstraße/Rosengasse 1221 gotisch 1903 Neubau der Thomaskirche südlich in der Schillerstraße, danach Abriss der alten Kirche
Vitikirche Regierungsstraße/Lange Brücke 1210 gotisch 1809 Abbruch


Ehemalige Klöster Bearbeiten

Stifte Bearbeiten

Jeweils mit einem Stift verbunden waren der Erfurter Dom, die Severikirche und die Brunnenkirche.

Klosterhöfe Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Gerd Schöneburg: Kirchen im Erfurter Gebiet. Erfurt 2007.

Weblinks Bearbeiten


30px-Wikipedialogo.png Dieser Artikel wurde am 15.01.2009, (gemäß GNU-FDL incl. aller Autoren), aus der Wikipedia importiert.


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